Sanierung und Umbau eines Einfamilienwohnhauses
Ort: 85521 Ottobrunn
Jahr: 2023-2025
Team IFUB*: Dominik Schmidt, Marco Bross, Clemens Gritl, Bernhard Kurz
Zusammen mit: Bau|Frei Beratende Ingenieure Geisler + Tremel PartGmbB (Tragwerksplanung), Herzog & Roth PartGmbB (Wärmebrückenberechnung), Dipl.-Ing. Ariane Sibitzky (SiGeKo)
Bauleute: privat
Handwerker*innen: PLAN/B e. K. (Zimmerei und Generalunternehmer), BS Bautenschutz GmbH (Rohbau, Innenausbau, Erdarbeiten), HESAGO Heizung - Sanitär GmbH (HLS), EMG Elektrotechnik GmbH (ELT), Klaus Stank (Malerarbeiten)
In den Vororten der deutschen Großstädte beginnt langsam aber sicher eine große Veränderung. Ein- und Zweifamilienhäuser aus den Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahren werden von den nachfolgenden Generationen übernommen oder an junge Familien weiterverkauft. Selbst wenn diese Häuser gepflegt und gut in Stand gehalten wurden, steht nun eine Sanierung und meist auch ein Umbau dieser Häuser an. So auch beim 1975 erbauten
in einem Vorort im Süden Münchens, das von einer jungen Familie erworben wurde. Neben der energetischen und bautechnischen Sanierung stand auch die Anpassung der Grundrisse an die Lebensgewohnheiten der neuen Bewohner*innen auf dem Programm. Ein freundliches, helles und offenes Haus, aber auch flexibel nutzbares Haus sollte es werden, unter Einbezug der Besonderheiten und Eigenheiten des Bestandsgebäudes.
liegt inmitten eines klassischen Vororts mit kleinteiliger Struktur. Da die Größe des Bestands mit der großen Garage vollkommen ausreichend für die Wünsche der Familie war, wurde auf eine Erweiterung verzichtet. Auch das Dachgeschoss wurde nicht weiter ausgebaut. Ganz im Gegenteil. Um zukunftsfähig und flexibel auf die Anforderungen der Familie eingehen zu können, wurde das Gebäude in zwei voll funktionsfähige Wohneinheiten aufgeteilt. Je nach Familiensituation können diese zusammen oder getrennt genutzt werden - ohne jegliche bauliche Maßnahme.
zeigte klassische Elemente aus den Siebzigern - unter anderem ein Treppenhaus mit Glasbausteinen. Grundsätzlich wurde das Gebäude sehr gepflegt und in gutem Zustand an die neuen Eigentümer*innen übergeben. Die gut gelöste Eingangssituation unter dem Dach der Garage wurde genau wie die meisten Fensteröffnungen beibehalten.
Alle Fenster wurden durch neue dreifach verglaste
ersetzt. Das Treppenhausfenster wurde aus energetischen Gründen aber auch für mehr Lichteinfall durch ein neues Klarglasfenster ersetzt.
Ein horizontaler durchgehender unterer Abschluss der Holzfassade, war den Bauleuten wichtig, daher wurden die Bestandslichtschächte erhöht und der Traufstreifen dementsprechend modelliert. Im Bereich des Pflasters ergibt sich hierdurch ein höherer Sockel der die Holzfassade vor Spritzwasser schützt
Das alte Pflaster vor dem Eingang wurde während der Bauzeit seitlich gelagert und im Anschluss wieder eingebaut.
Besonders schön bei Bestandsprojekten ist es, wenn
vorhanden ist. Dann sind die Gärten vom ersten Tag an grüne Oasen und besonders im Sommer gut vor Überhitzung geschützt. Die fantastischen Bäume auf dem Grundstück konnten alle erhalten werden und haben die Baustelle unbeschadet überlebt.
Der alte Zaun wurde trotz Beschädigung durch einen Bagger saniert und erhalten. Er gibt dem Garten die nötige Transparenz und weist in seiner Gestaltung auf die Ursprünge des Hauses hin.
Die Fassade wurde mit einer lasierten
mit horizontal versetzten Stößen ausgeführt. Die energetische Ertüchtigung wurde als Zellulose Einblasdämmung in eine auf die Bestandsfassade geschraubte Holzrahmenkonstruktion mit einer Unterdeckplatte aus Holzfaser eingebracht. Beim gesamten Aufbau wurde auf ökologische Baumaterialien geachtet.
Die Fenster wurden bis auf wenige Ausnahmen in ihrer Lage und Größe beibehalten. Beim Südfenster im Erdgeschoss wurde jedoch die Brüstung abgebrochen und ein
verbaut um einen schnellen Zugang vom Essbereich in den Garten zu ermöglichen.
orientiert sich am Bestand. So wurden alle neuen Bleche wie Fenster und Haustür, aber auch Fallrohre und Dachabschlüsse von den Bauleuten passend zu den alten Verblechungen der Garage in einem dunklen Grauton gewählt und harmonieren wunderbar mit der neuen Holzfassade und den alten Pflastersteinen.
Eine neue Zisterne sammelt Regenwasser für die Gartennutzung - gerade in den trockenen Sommern eine sehr sinnvolle Einrichtung. Um die maximal mögliche Wassermenge zu nutzen, wurde eine eigentlich sehr pragmatische Führung der Regenrohre gestalterisch ansprechend integriert.
hatte eine klassisches Loggia/Balkon Kombination bei der auch eine Überbauung diskutiert wurde. Aus mehreren Gründen wurde sich dagegen entschieden. Einerseits war eine Baugenehmigung dadurch unnötig, andrerseits waren die zusätzlichen Quadratmeter nicht notwendig und die Überdachung der Terrasse als Sonnen- und Regenschutz ohnehin sinnvoll.
Um den Wohnraum mehr Richtung Garten zu öffnen, wurden auf der
die Fenster im Erdgeschoss vergrößert. Für den Frieden unter den Geschwistern wurden im Obergeschoss zwei neue, gleich große Fensterelemente eingesetzt. Der Balkon und die Loggien wurden in die thermische Hülle eingebunden und auf Wunsch der Bauleute mit einem neuen, schlichten Balkongeländer passend zur Fassade ergänzt. Die Garage wurde nur neu gestrichen und schließt den Garten zur Seite ab ohne komisch mit dem Haus zu verwachsen.
und auch die Bodenplatte des Balkons wurden gedämmt und harmonisch in die Fassade integriert. So setzt sich das Schalungsmuster auch unter der Dachunterseite fort. Die Bestandssparren unter dem Vordach wurden im Farbton der Fenster gestrichen.
Die Holzschalung ist mit
ausgeführt, die einen harmonischen Übergang an den Gebäudeecken vereinfachen.
Ein Blick auf ein
im Detail. Der Sonnenschutz ist oberhalb und hinter der Fassade unsichtbar versteckt. Das Laibungsbrett überdeckt die Führungsschiene des Sonnenschutzes. Da das Fenster außen an die Fassade montiert wird, bekommt man ein großzügiges Fensterbrett im Innenraum für die Nutzung.
Aus ökologischen aber auch aus Kostengründen wurde das Bestandsdach inkl. Dachziegeln erhalten und lediglich die oberste Geschossdecke gedämmt. Der Ortgang wurde für die Fassadendämmung erweitert und neu eingeblecht. Die neue
unterstützt nicht nur die Luft-Wasser-Wärmepumpe im Betrieb, sondern senkt auch den allgemeinen Stromverbrauch oder lädt das E-Auto in der Garage.
Zusammen mit der neuen Fassadendämmung und den Fenstern, der Dämmung der Kellerdecke und der Decke über dem Obergeschoss, der Luft-Wasser-Wärmepumpe und der Photovoltaik auf dem Dach sowie der dezentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wurde ein hervorragendes
erreicht.
Im Inneren war eine der größten Veränderungen die Auflösung der alten, sehr kleinen Küche im Erdgeschoss und die Umnutzung des Raums in eine links vom Flur angeordnete offene Garderobe. Hierdurch wird eine
erreicht, die schon vom Eingang aus sofort wahrnehmbar ist.
Durch die offene Garderobe fällt Licht in den vorher dunklen Flur, der nun Teil des Wohnraums ist. Die Wand der ehemaligen Küche wurde entfernt, wodurch der Platz für die
optimiert und Küche und Esszimmer vergrößert werden konnte.
Durch wenige aber gezielte Eingriffe in den Grundriss wurde die alte Raumaufteilung in ein modernes, offenes Wohnkonzept verwandelt. So verbindet ein neuer Durchbruch in Zusammenspiel mit dem Bestandsdurchbruch mit Rundbogen
Im dadurch entstehenden großen Raum sind drei Fassaden des Hauses - also auch Blicke in drei Richtungen möglich. Vom Blick aus der Küche auf die Straße, über den Ausgang zum südlichen Garten bis hin zum Blick durch die neue großen Schiebetür auf die Terrasse.
Wir beim IFUB* freuen uns, wenn sich unsere Bauleute mit einbringen.
aber auch die Küche und die Einbaumöbel wurden von den Bauleuten selbst gestaltet und zum Teil auch selbst umgesetzt.
Das alte WC im Erdgeschoss wurde vergrößert und um eine bodenbündige Dusche erweitert. Dieses ist für Gäst*innen gedacht, aber auch für den morgendlichen Stau bei einer großen Familie bestens gerüstet. Bei der getrennten Nutzung der beiden Wohnungen dient das Duschbad als vollwertiges und vor allem auch
für die untere Wohnung. Auch die optische Gestaltung der Bäder wurde komplett von den Bauleuten selbst übernommen.
Das Treppenhaus wurde mit Ausnahme des neuen Fensters komplett erhalten. Der hochwertige Naturstein und die Gestaltung der Geländer zeugen vom Geschmack der damaligen Zeit - fügen sich aber auch harmonisch in die Gestaltung des Hauses ein. Dem
kommt im neuen Konzept besondere Bedeutung zu. So wurde das Haus in zwei eigenständige Wohneinheiten aufgeteilt. Solange die drei Kinder im Haus wohnen, werden beide Wohnungen genutzt - das Treppenhaus verbindet dann die Wohnungen. Sind die Kinder aus dem Haus, kann eine der beiden Wohnungen vermietet oder von den (dann erwachsenen) Kindern als separate Wohnung genutzt werden - dann ist das Treppenhaus reiner Erschließungsraum.
Solange die Kinder noch klein sind, ist das
zum Balkon als ein großer Raum gestaltet, der von zwei Kindern geteilt wird. Steigt der Wunsch nach Privatheit mit den Jahren so kann eine einfache Trennwand eingebaut werden - der Estrich ist hierfür bereits schallgetrennt ausgeführt und zwei gleichwertige Fenster vorgerüstet.
Eine oft geäußerte Sorge wird hier als unnötig erkennbar. Denn auch durch eine dicke Außenwanddämmung werden die
nicht zu tief oder zu Schießscharten. Ganz im Gegenteil! Wenn man die Laibungen farbig hervorhebt - wie hier durch die Bauleute ausgeführt - werden die Fenster zu einem optischen Hingucker. Dann fällt die kleine Stufe, die aufgrund des gedämmten Balkons notwendig wurde, gar nicht erst auf.
Im Obergeschoss wurde das Bad an gleicher Stelle belassen, aber zu einem modernen, altersgerechten
umgebaut. Momentan dient dieses als Hauptbad der Familie und ist aber gleichzeitig für die Teilbarkeit des Hauses in Ober- und Untergeschoss wesentlich.
Nach der hochwertigen, ökologischen Sanierung und dem zeitgemäßen Umbau im Inneren ist das Gebäude nun mehr als bereit für