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Baukunst
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PROJEKTE

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¯I Lageplan
Plan: IFUB* I¯

Büro Sauspiel


Sanierung und Umbau des Hochparterres einer alten Schokoladenfabrik in ein Büro für die Sauspiel GmbH.

Ort: Neukölln, 12047 Berlin

Jahr: 2014 - 2015

Bauleute: Sauspiel GmbH, www.sauspiel.de

Veröffentlichungen: AIT 10/2016, Jahrbuch Architektur Berlin - Band 7, HIGH ON OFFICE DESIGN 05/2020
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¯I Büro Sauspiel
Foto: Julia Klug I¯
2007 saßen vier Freunde aus Bayern in Berlin zusammen und beschlossen, ihren notorischen Mangel an Mitspieler*innen beim in Bayern sehr beliebten Kartenspiel „Schafkopf“ durch eine selbst erstellte Webseite zu beseitigen. Sieben Jahre später war aus der fixen Idee ein großer Erfolg geworden und für das auf 14 Mann angewachsene Team der „Sauspiel GmbH“ mussten neue Räumlichkeiten her. Fündig wurden die Bauherrn in dem Kreuzberg am nächsten liegenden Teil Neuköllns, im Volksmund auch „Kreuzkölln“ genannt. Ein besonders schönes Beispiel historischer Industriearchitektur -

die alte Schokoladen- fabrik

- wurde dort in Teilen zum Kauf angeboten und man konnte sich einen Teil des Hochparterres als zukünftiges neues Büro sichern. Offene Arbeitsstrukturen und eine flache Hierarchie waren mit dem Wunsch nach viel Stauraum und einer separat nutzbaren Wohnung für Gäste unter einen Hut zu bringen. Weiterhin mussten fehlende sanitäre Anlagen und eine Teeküche ergänzt und insbesondere auch die technische Anbindung der Arbeitsplätze in einem offenen Büro gelöst werden, ohne den wunderbaren Bestand zu beeinträchtigen.
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¯I Die Schokoladenfabrik im Hinterhof
Foto: Julia Klug I¯
Die um 1870 erbaute “Schokoladenfabrik” ist eines der ältesten Gewerbegebäude in diesem Teil Berlins. Tatsächlich wurde von 1926 bis 1973 hier Schokolade produziert. 1976/1977 kam das Gebäude zu einiger

Berühmtheit

da es gegen den Wunsch des Bezirks allerdings unter Zustimmung des Besitzers zu Wohngemeinschaften umgenutzt wurde. Die mehrfach drohende Räumung fand letztlich niemals statt und so wurde das Gebäude in den folgenden Jahrzehnten für seine Bewohnerfeste, den ersten türkischen Kulturverein und das Kindertheater Klecks bekannt. Erst Ende der Neunziger-, Anfang der Nullerjahre wurden eine langsame Umnutzung begonnen. Im Zuge der Aufteilung des Gebäudes in einzelne Einheiten wurde ein Brandschutzkonzept erstellt, was neben der unschön vor der Fassade aufgebauten Feuerleiter auch eine Aufbereitung der Rohsubstanz beinhaltete. Hier wurde glücklicherweise auf wesentliche Eingriffe verzichtet, obwohl das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht.
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¯I Luftbild
Google Maps I¯
Das alte Fabrikgebäude liegt im Hinterhof eines kompakten Stadtblocks im Berliner Bezirk

Neukölln.

Die Nähe zum Landwehrkanal, aber auch zu den belebten Zentren von Kottbusser Tor und Hermannplatz machen die Lage besonders attraktiv für junge Gewerbetreibende. Das Büro befindet sich im Hochparterre, zwei Stockwerke darüber liegt die ebenfalls vom IFUB* sanierte „Wohnung H“.
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¯I Raumkonzept
Skizze: IFUB* I¯
Allen Überlegungen lag der Wunsch zugrunde den Bestand in seiner Ursprungsform zu sichern und zu zeigen. Der Rückbau von nachträglichen Einbauten und ungeordneten Strukturen formt damit auch die Basis des

Raumkonzepts

in der die Raumstrukturen lediglich durch zwei raumhohe Möbel neu organisiert werden.
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¯I Farb- und Materialkonzept
Skizze: IFUB* I¯
Die originale Kappendecke aus Backstein bildet im

Farb- und Materialkonzept

den Gegenpol zum ebenfalls erhaltenen roten Backsteinboden. Alle senkrechten, raumdefinierenden Flächen wurden in weiß gehalten, was für die räumliche Klarheit sorgt. In der Konsequenz wurde alles im Inneren der Räume bewusst in schwarzgrau abgesetzt.
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¯I Alt und Neu
Foto: Julia Klug I¯
Die Gestaltung orientiert sich stark am Bestand. Es entsteht ein

Spannungsfeld zwischen Alt und Neu,

in dem sich das Neue mit Blick von Außen klar einfügt und unterordnet, sich bei genauerem Hinsehen aber als Neues mit überraschendem Innenleben entpuppt.
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¯I Alt und Neu
Foto: Julia Klug I¯
Bei allen neuen Materialien wurde gleichermaßen Wert auf hohe Qualität und Dauerhaftigkeit gelegt. Außerdem wurden diese

im Stil passend zum Bestand

gewählt.
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¯I Versorgung von oben
Foto: Julia Klug I¯
Eine besondere Herausforderung war es, die frei stehenden Arbeitsplätze anzubinden ohne den Bestandsfußboden zu zerstören. Die Lösung kommt nun von oben.

Elf drehbare Stahlkräne

mit beweglicher Kabelrolle versorgen die flexibel stellbaren Tische mit Strom und Daten. Entsprechend wurden Tische gewählt, bei denen die Kabel von oben durch einen Schlitz zu den Geräten geführt werden können.
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¯I Kräne, Decke, Licht
Foto: Julia Klug I¯
Im Zuge der Sanierung musste der Brandschutz der tragenden Konstruktion überarbeitet werden. Das Sandstrahlen der originalen gusseisernen Stützen und Träger für die neue Brandschutzbeschichtung wurde genutzt, um auch die kunstvoll aus Backstein gemauerte,

preussische Kappendecke

freizulegen. Die Einzelleuchten an den Kränen sorgen im Zusammenspiel mit auf den Trägern unsichtbar montierten Leuchtbändern für eine gleichmäßige Ausleuchtung der expressiven Decke.
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¯I Büro vor dem Umbau
Foto: IFUB* I¯
Zentraler Blick ins Büro

vor dem Umbau.

Durch die freigelegten Decken entsteht ein komplett anderer Raumeindruck. Das alte WC (links im Bild) wurde entfernt.
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¯I Büro vor dem Umbau
Foto: IFUB* I¯
Blick auf die Innenwand vor dem Umbau. Beim

Rückbau

wurde die abgehängte Decke links, die Wand rechts neben dem ehemaligen Eingang und die frühere interne Treppe entfernt.
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¯I Zentraler Blick
Foto: Julia Klug I¯
Zentraler Blick auf

das offene Büro.

Das große Einbaumöbel bildet den neuen Gegenpart zur gegenüberliegenden Bestandswand und definiert den nun fast quadratischen Raum.
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¯I Der große Einbauschrank
Foto: Julia Klug I¯
Viel unsichtbarer Stauraum war eine wichtige Forderung der Bauherrn. Das hierfür vorgesehene

große Einbaumöbel

ist aber nicht nur ein Schrank. Hinter den geschlossenen Blenden liegen die WCs verborgen. Außerdem versteckt sich die Teeküche, eine große Leiter sowie die ehemalige, nun "geheime", zweite Zugangstür hinter den weißen Fronten.
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¯I Die Gestaltung des Einbauschranks
Foto: Julia Klug I¯
Die Gestaltung des großen Einbaumöbels wurde

aus dem Bestand entwickelt.

Für die spannungsreiche Aufteilung der Möbelfronten wurden die Rundungen der Kappendecken als Inspirationsquelle genutzt.
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¯I Im kleinen Besprechungsraum
Foto: Julia Klug I¯
Blick aus dem kleinen Besprechungsraum: Alles innerhalb der raumumschließenden weißen und ziegelfarbenen Flächen wurde bewusst in

schwarzgrau

abgesetzt. Dazu gehören neben Stützen, Trägern und Tischen auch die Glastrennwände.
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¯I Das Büro im Überblick
Foto: Julia Klug I¯

Das Büro im Überblick.

Rechts im Hintergrund kann man die Treppe zur oberen Ebene erkennen sowie das neue Fenster, welches die untere und die obere Ebene optisch verknüpft. An der gleichen Stelle befindet sich am Ende des großen Einbaumöbels die Teeküche.
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¯I Durch die Teeküche
Foto: Julia Klug I¯
Eine Schranktür lässt sich zum Vorraum öffnen - mit Blick

durch die Teeküche.

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¯I Die Teeküche
Foto: Julia Klug I¯
Die „Rückseite“ des Einbaumöbels bildet mit der integrierten Teeküche das

Bindeglied zwischen Büro und Vorraum.

An der “Abbruchkante” zeigt sich das dunkle Innenleben des großen Möbels in dem sich auch die WCs verstecken.
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¯I Der Vorraum
Foto: Julia Klug I¯
Die vorher zugeschweißte Tür wurde reaktiviert und der Vorraum durch das große Möbel vom Arbeitsbereich abgeschirmt. In dieser

Pufferzone

ist nun das störungsfreie Betreten der Bürofläche möglich. Neben dem Zugang zu den WCs im Schrank befindet sich hier auch die Garderobe unter der Treppe zum oberen Bereich. Die Materialität der Treppe stellt die optische Verknüpfung zwischen dem eher industriellen unteren und dem eher wohnlichen oberen Teil des Büros her.
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¯I Der Zugang zu den WCs
Foto: Julia Klug I¯
Hinter einer normalen Schranktür verbirgt sich der

Zugang zu den neuen WCs

im dunklen Inneren des Einbaumöbels.
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¯I Der WC Vorbereich
Foto: Julia Klug I¯
Das komplette

Innere des Einbaumöbels

ist in dunklen Farben gehalten. Das gilt nicht nur für den Stauraum und die Teeküche sondern auch für die WCs für Damen und Herren mit dem kleinen Vorbereich mit Waschtisch.
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¯I Ein WC
Foto: Julia Klug I¯
Die räumliche Beengtheit in den WCs wird durch je einen Spiegel auf Vorder- und Rückseite aufgehoben, der den schlichten Raum durch den Spiegeleffekt optisch erweitert. Eine einzelne schräg montierte Leuchte wird zum Zickzack in die Unendlichkeit. Ein wahrhaft

intergalaktisches WC-Erlebnis.

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¯I Die Treppe
Foto: Julia Klug I¯
Die neue Treppe führt zur oberen Ebene. Auf der Wand neben der Treppe zeigt sich das

Schattenspiel

des neuen Geländers.
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¯I Obere Ebene vor dem Umbau
Foto: IFUB* I¯
Zentraler Blick in die obere Ebene

vor dem Umbau.

Durch die freigelegten Decken entsteht auch hier ein komplett anderer Raumeindruck. Der Eingang im Hintergrund führt ins Treppenhaus.
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¯I Obere Ebene vor dem Umbau
Foto: IFUB* I¯
Beim

Rückbau

oben wurde eine Trennwand entfernt. Der Boden musste vor Verlegung der neuen Dielen ebenfalls ausgebaut werden.
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¯I Der kleine Bauwagen in der oberen Ebene
Foto: Julia Klug I¯
Über die neue Treppe erreicht man die niedrigen Räume oberhalb der Hofdurchfahrt. Das wie eine kleiner Bauwagen in den langen Raum eingestellte neue Einbaumöbel beherbergt ein Duschbad und eine kleine Einliegerküche. Hierdurch ist im oberen Bereich neben der normalen Nutzung für

intensive Meetings oder laute Runden

auf der Spielkonsole auch die getrennte Verwendung als

Gästewohnung

möglich. Der eigene Eingang direkt vom Treppenhaus unterstützt diese Möglichkeit. Entsprechend der Nutzung wurde der obere Bereich mit den Kiefernholzdielen und den Möbeln bewusst wohnlicher gestaltet.
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¯I Die Einliegerküche
Foto: Julia Klug I¯
Die neue Küche ist zwar klein, aber voll funktionsfähig ausgestattet. Die Form des Einbaumöbels unter der Kappendecke erinnerte an einen

Bauwagen

weswegen die Fronten mit senkrechten Rillen gestaltet wurden.
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¯I Das neue Fenster
Foto: Julia Klug I¯
Das neue Fenster wurde genau in Verlängerung zum Durchgang zwischen Vorraum und Büro platziert und schafft so eine

visuelle Verbindung

zwischen oben und unten und einmal quer durch die gesamte Büroeinheit.
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¯I Das Duschbad
Foto: IFUB* I¯
Im Inneren des “Bauwagens” befindet sich ein kompaktes, liebevoll gestaltetes

Duschbad.

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¯I Die Fliesen
Foto: Julia Klug I¯
Das Beste kommt zum Schluss - der Boden aus sechs verschiedenfarbigen,

dreieckigen Bodenfliesen

ist ein echter Hingucker im ansonsten sehr schlicht gehaltenen Duschbad.
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¯I Grundriss vor Umbau
Plan: IFUB* I¯

Grundriss vor Umbau

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¯I Grundriss nach Umbau
Plan: IFUB* I¯

Grundriss nach Umbau

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¯I Längsschnitt nach Umbau
Plan: IFUB* I¯

Längsschnitt nach Umbau

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¯I Querschnitt nach Umbau
Plan: IFUB* I¯

Querschnitt nach Umbau