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Baukunst
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PROJEKTE

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¯I Lageplan
Plan: IFUB* I¯

Riesige Rosi


Umbau einer Fußgängerunterführung in eine gratis nutzbare Boulderhalle in München Ramersdorf.

Ort: in der Nähe der Rosenheimer Straße 238, 81669 München

Jahr: 2023

Team IFUB*: Bernhard Kurz, Marco Bross, Mikus Druviņš

Zusammen mit:
Kraxlkollektiv / Planung Boulderanlage - www.kraxlkollektiv.de
filamento / Lichtplanung - www.filamento.pt

Bauleute: DAV Sektion Oberland - Kraxlkollektiv

Veröffentlichungen: SZ 26.09.2023, G+L Magazin für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung 02/24
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¯I Die neue gratis Boulderhalle
Foto: Sorin Morar I¯

Das Kraxlkollektiv

beschreibt sich auf der eigenen Webseite wie folgt: Wir sind eine junge Initiative aus München [...], die ihre Leidenschaft zum Bouldern mit mehr Menschen teilen möchte. Unser konkretes Ziel ist es, mehrere kostenlose und öffentlich zugängliche Boulderwände in München zu errichten und so ungenutzte Stadtflächen aufzuwerten. Denn obwohl vielerorts in der schönsten Stadt der Welt in den vergangenen Jahren Boulderhallen eröffnet haben, fehlt es bisher an einem niederschwelligen Angebot, das allen Bürger*innen kostenfrei zur Verfügung steht und barrierefrei zugänglich ist. [...]
Das bisher größte Projekt um dieses Ziel zu verwirklichen befindet sich nun in einer ehemaligen Unterführung unterhalb der Rosenheimer Straße. Mit Hilfe des IFUB* aber vor allem mit einer Unmenge freiwilliger Helfer*innenstunden wurde aus einem Unort eine frei nutzbare Boulderhalle für alle.
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¯I Die Rosi vor dem Umbau
Foto: IFUB* I¯
Vor dem Umbau war die Riesige Rosi ein Relikt der autogerechten Stadtplanung der 70er Jahre. Als

Unterführung für Fußgänger*innen

gedacht, wurde das Verkehrsbauwerk schnell zum kaum genutzten Unort und wurde von den meisten Menschen auch aufgrund des vorhandenen oberirdischen Übergangs gemieden.
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¯I Erläuterungstafel am Eingang
Foto: Sorin Morar I¯
An den beiden Enden der Unterführung wird man von einer

Erläuterungstafel

mit den Benutzungsregeln empfangen. Die Haftungsfrage wurden über eine Definition des Raums als öffentlicher Spielplatz geklärt und vom TÜV abgenommen. So ist ein Bouldern auf eigene Verantwortung überhaupt erst möglich. Auf der anderen Seite der Unterführung findet sich auch eine Dankestafel, die alle Sponsor*innen und Helfer*innen aufführt. Nur durch viel ehrenamtliche Arbeit und viele Spenden ist es möglich, dass die Riesige Rosi heute gratis für alle nutzbar ist.
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¯I Boulderhalle
Foto: Sorin Morar I¯
Da große Teile der Decke nicht nur gestrichen sondern auch vorgebohrt wurden, kann diese über die fast komplette Länge zum Bouldern genutzt werden. So ergibt sich eine nutzbare

Boulderfläche von ca 700m2.

Verschiedene Neigungen der Wände schaffen die Möglichkeit, Boulder unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade zu schrauben.
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¯I Boulderhalle
Foto: Sorin Morar I¯
Der Boden der ca. 70m langen Unterführung wurde mit weichen, roten Matten aus Gummigranulat als

Fallschutz

ausgelegt. Dieser dämpft Stürze und kontrollierte Absprünge gleichermaßen.
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¯I Graffiti Riesige Rosi
Foto: Sorin Morar I¯
Von lokalen Graffiti Artists wurden alle Boulderwände nicht nur mit dem Namen "Riesige Rosi" sondern auch mit vielen abwechslungsreichen und humorvollen

Graffitis

gestaltet. Es gibt sehr viel zu entdecken, auch wenn man nicht bouldern geht!
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¯I Boulderwand mit Spinden
Foto: Sorin Morar I¯
Um eine sorgenfreie Nutzung zu ermöglichen gibt es in die Wand integrierte Spinde, die mit einem Vorhängeschloss von allen belegbar sind. Der Übergang zwischen Decke und Wand wurde als lineare

Lichtfuge

ausgebildet und sorgt für hervorragende, schattenfreie Sicht auf alle Griffe und Routen.
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¯I Eingang zur Riesigen Rosi
Foto: Sorin Morar I¯
Wer mit wachen Augen den westlichen

Eingang zur Rosi

benutzt, bemerkt, dass einer der sechs Abgänge nicht mehr nutzbar ist. Dieser wurde vom IFUB* zum Lager- und Technikraum ausgebaut.
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¯I Lagerhaus Riesige Rosi
Foto: Sorin Morar I¯
Oberirdisch ist das Lager das einzig sichtbare Zeichen, dass hier etwas Neues entstanden ist. Dazu wurde die bestehende Brüstung des Abgangs in die Höhe verlängert und mit einem einfachen aber markanten

Satteldach mit zwei Vordächern

versehen.
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¯I Rettung alter Fußböden
Foto: IFUB* I¯
Da das Budget eng begrenzt war, aber freiwillige Arbeitskräfte zur Verfügung standen, wurde für die Baumaterialien

urban Mining

betrieben. So wurden Fußböden aus einem nahegelegenen Abbruchhaus ausgebaut und als Fassadenmaterial aufbereitet. Ebenso wurde ein Baumschutzzaun aus Holz rückgebaut und für die Unterdeckung wiederverwendet.
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¯I Lagerhaus Riesige Rosi
Foto: Sorin Morar I¯

Der ehemalige Fußboden

aus Massivholz gibt der Fassade des neuen Lagerhäuschens seinen ganz eigenen Charme. Auch die Tür zum Lagerraum wurden aus einem Abbruchhaus ausgebaut, in Handarbeit aufbereitet und wieder eingebaut. Als Anstrich für Türen und Fenster wurden ökologische Leinölfarben verwendet. So konnte beispielhaft gezeigt werden, dass die Wiederverwendung von Materialien keine Spinnerei oder eine Abwertung, sondern vielmehr eine Aufwertung sein kann.
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¯I Lagerhaus Riesige Rosi
Foto: Sorin Morar I¯

Die Fenster

wurden ebenso vor der Entsorgung gerettet und wie die Tür aufbereitet. Das Dach ist aus kostengünstigem verzinktem Stahlblech hergestellt. Hier war ebenso der Einsatz von wiederverwendetem Material vorgesehen, dieser Plan konnte jedoch aus Zeit- und Kostengründen leider nicht umgesetzt werden.
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¯I Blick ins Lager
Foto: Sorin Morar I¯
Der Blick ins Lager zeigt

die ehemalige Außentreppe

mit ihrem neuen Dach. Für die Elektrik musste auch ein neuer Stromanschluss gelegt werden, der hier ebenfalls Platz gefunden hat.
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¯I Blick ins Lager
Foto: Sorin Morar I¯

Der neue Lagerraum

hat fast schon sakrale Qualitäten. Bei der Hülle wurde die nach innen sichtbare Unterdeckung aus einem geretteten Baumschutzzaun erstellt und für die Beleuchtung kamen die früheren Leuchten aus der Unterführung zum Einsatz. Lediglich die Holzkonstruktion wurde aus neuen Holzbalken errichtet.
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¯I Regale im Lagerhaus
Foto: Sorin Morar I¯
Sogar die neuen Regale wurden

aus wiederverwendeten Materialien

gebaut. Hier kamen vor allem alte Schalungsträger und sonstige Reststücke aus Holz zum Einsatz.
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¯I Lagerhaus Riesige Rosi
Foto: Sorin Morar I¯
Unser Blick geht zurück auf eine intensive Zeit im Jahr 2023. Projekte bei denen sich viele Menschen ehrenamtlich zusammentun um etwas Gutes für die Allgemeinheit zu verwirklichen, lassen einem mit einem Gefühl der Erfüllung zurück.

Unser Dank an alle

die auf die eine oder andere Weise mitgeholfen haben, dieses wunderbare Projekt zu stemmen. Wir hoffen, dass die daraus entstandenen Freundschaften noch lange nachwirken und die Rosi den Menschen der Stadt München noch lange Freude bereitet.
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¯I Längsschnitt
Plan: IFUB* I¯

Längsschnitt

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¯I Ansicht und Querschnitt
Plan: IFUB* I¯

Ansicht und Querschnitt

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¯I Grundriss
Plan: IFUB* I¯

Grundriss